• Trinken bis der Arzt kommt - der Polterabend

    Hochzeit-Polterabende
    „Game over“ - diesen oder ähnliche Sprüche wie „Highway to hell“, oder „Last night in freedom“ sieht man am Polterabend oft auf T-Shirts von zukünftigen Brautleuten zu lesen.
    foto by doris seebacher
      Trinken bis der Arzt kommt

    Ursprünglich wurde am Polterabend viel Porzellan zerbrochen, denn Scherben bringen ja bekanntlich Glück. Heutzutage sind Polterabende vor allem eines: ein Vorwand für zukünftige Eheleute, um noch einmal so richtig mit den besten Freunden „einen draufzumachen“ - mit lustigen Spielchen und ganz viel Alkohol.

    VON DORIS SEEBACHER

    Ob peinliche Verkleidungen oder Spendensammeln mit lustigen Aktionen - eines haben Polterabende immer gemeinsam: Alkoholkonsum bis zum Abwinken. Vor allem junge Paare lassen sich den Spaß nicht entgehen, den Abschied vom Junggesellendasein so feuchtfröhlich wie nur möglich zu feiern.

    „Borat-Anzug“ und
    schwere Eisenkugel

    Mit einem verschmitzen Grinsen denkt Anton an seinen Polterabend zurück, den sein Trauzeuge für ihn organisiert hatte. Abgeholt wurde er bereits am frühen Nachmittag mit einem eigens geschmückten Traktor. Nach dem ersten Schnapserl musste er sich in einen knappen „Borat-Schwimmanzug“ hineinzwängen. So verkleidet fuhr der Traktor samt Anhänger und 14 sauffreudigen Jungs durch die Ortschaft bis hinauf auf eine Berghütte am Schneeberg, wo dann bis in die Morgenstunden am Lagerfeuer gefeiert wurde. „Ich wollte nicht einfach durch irgendwelche Lokale ziehen, wo es laut ist und man sich irgendwann aus den Augen verliert“, erklärt Anton seine Entscheidung für eine urige Berghütte.
    Aber nicht nur den „Borat-Anzug“ musste Anton den ganzen Abend tragen. Auch eine Kette mit einer 15 Kilogramm schweren Eisenkugel wurde an sein Bein gekettet - als Vorgeschmack auf das „Gefängnis Ehe“. Seine zukunftige Braut Patricia hatte es ein bisschen einfacher. Sie musste sich „nur“ als Krankenschwester verkleiden und dabei „Penis- und Busenkekse“, die ihre Freundinnen für sie gebacken hatten, verkaufen.

    Mit Damenbinde am Hirn
    Kondome verkaufen

    Jutta hat in Gmunden mit ihren Freundinnen gepoltert. „Ich musste verkleidet in einem Dirndlkleid mit Gummistiefel, Perücke und Kopftuch durch die Straßen ziehen“, erinnert sie sich. Am peinlichsten für sie war dabei eine Damenbinde, die ihr die Mädels auf die Stirn klebten. „Das sah ziemlich grauslich aus“, schmunzelt Jutta im nachhinein. So verkleidet musste sie Schnaps, Kondome und OBs verkaufen. Der Reinerlös wurde natürlich gleich an Ort und Stelle in Alkohol umgesetzt.
    Zeitgleich feierte ihr zukünftiger Ehemann Peter in Linz Abschied von seinem Junggesellendasein. Auch er wurde von seinen Freunden „verkleidet“ - mit weißen Tennissocken, neonfärbigen Flipflops und kurzer Hawaihose. Aber das war noch nicht alles: Obendrein gipsten ihm seine Kameraden nämlich auch noch die rechte Hand ein -

     

    praktisch gleich in Trinkerpose und mit „eingebautem“ Bierkrug. Angebunden an die Pestsäule am Hauptplatz musste er dann für vorbeikommende Passanten ein paar Liedchen trällern.

    Stripperin für Bräutigam
    und Männer, die sich fürchten

    Einen Polterabend, der beinahe die Hochzeit verhindert hätte, hatten Brigitte und Klaus. Gemeinsam luden sie zu einem großen Grillfest mit Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen ein. Der Abend verlief feuchtfröhlich und ausgelassen, bis um Mitternacht als Überraschung für Klaus eine Stripperin ihren Auftritt hatte. Klaus fand es toll, und auch die Gäste hatten ihren Spaß. Nicht so toll jedoch fand es Brigitte und die „Vorstellung“ wurde abgebrochen. Verheiratet sind sie heute trotzdem noch glücklich.
    Martin aus dem Salzkammergut hat sich vor seinem Polterabend regelrecht gedrückt, weil er dieses zwanghafte saufen überhaupt nicht mag. Ein beliebter Brauch aus seiner Heimat Bad Ischl ist das sogenannte „Kreuzigen“. „Der Bräutigam wird dabei an ein Kreuz gebunden und bekommt permanent Alkohol eingeflößt“, erzählt Martin. Er habe dabei auch schon von Saufgelagen bis zur Bewusstlosigkeit und sogar von Todesfällen gehört, weil es die Polterrunde mit dem Alkohol übertrieben hätte.
    Geheiratet hat Martin trotzdem - auch ohne Polterabend. Und den Brummschädel am Tag danach hat er sich auch erspart.


    Hochzeit-Polterabende
    Peinliche Verkleidungen für den Bräutigam gehören zu jedem Polterabend.
    foto by doris seebacher